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Roboter-Handbuch durchsuchbar machen

Kurz: Laden Sie die Original-Handbücher Ihres Roboters als PDF in ein KI-Notizbuch und stellen Sie Ihre Frage in normalem Deutsch — „Wie vermesse ich den TCP?“, „Was ist bei Achse 3 zu warten?“. Sie bekommen die Antwort mit Verweis auf die Stelle im Handbuch, aus dem sie stammt. Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten je Roboter. Entscheidend ist, welche Dokumente Sie hochladen: Herstellerhandbücher ja, interne Anlagendaten nein.

Warum die Suche im PDF nicht reicht

Die Antwort steht im Handbuch. Nur steht sie auf Seite 480 von 800, in einer Tabelle, und der Begriff, den Sie suchen, heißt dort anders als in Ihrem Kopf. Die Volltextsuche findet Wörter — sie versteht keine Fragen. Wer „Mastern“ sucht, findet nichts, wenn das Handbuch von „Justage“ spricht.

Dazu kommt: Die Dokumentation einer Anlage ist nie ein Dokument. Bedienhandbuch, Programmierhandbuch, Wartungsanleitung, dazu die Notizen des Kollegen, der die Zelle aufgebaut hat. Das Wissen ist vorhanden, aber verteilt — und im Stillstand hat niemand Zeit, es einzusammeln.

Werner Hampel zeigt, wie ein Roboter-Handbuch in einem KI-Notizbuch befragt wird
14 Minuten, an echten KUKA- und NACHI-Handbüchern durchgespielt · Der KI & Roboterkanal · öffnet auf YouTube

Was Sie dafür brauchen

  • Die Original-PDFs Ihres Roboters — Bedien-, Programmier- und Wartungshandbuch. Die Hersteller stellen sie bereit.
  • Ein KI-Notizbuch, das ausschließlich mit den hochgeladenen Quellen arbeitet. Im Video ist das notebook.google.com, in der Grundfunktion kostenfrei.
  • Rund zehn Minuten je Roboter für das erste Einrichten.

Der Punkt ist nicht das Werkzeug. Der Punkt ist, dass die Antworten aus Ihren Dokumenten kommen und nicht aus dem Allgemeinwissen eines Sprachmodells. Genau das ist der Unterschied zwischen einer brauchbaren Auskunft und einer plausibel klingenden Erfindung.

Beispiel 1: ein alter NACHI-Roboter

Der Ausgangspunkt ist der Normalfall in der Instandhaltung: eine Maschine, die läuft, deren Dokumentation aber niemand mehr im Kopf hat. Die Handbücher werden als Quellen in ein neues Notizbuch geladen — mehrere PDFs nebeneinander, nicht eines nach dem anderen.

Danach werden Fragen gestellt, wie man sie einem Kollegen stellen würde: Wie kalibriere ich diesen Roboter? Wie vermesse ich das Werkzeug? Die Antwort kommt als Text mit Quellenangabe — man kann also nachschlagen, ob im Handbuch wirklich steht, was die KI behauptet. Dieser Rücksprung in die Quelle ist der wichtigste Teil, und er ist der Grund, warum das Verfahren in der Industrie taugt.

Gefragt wurde nach dem Justieren des Roboters und nach der TCP-Vermessung — also genau nach dem, was man im Stillstand braucht. Der nützlichste Treffer war aber eine Frage, die so gar nicht geplant war: wie sich die Lastdaten ermitteln lassen. Masse, Schwerpunkt und Trägheit dessen, was am Flansch hängt, müssen in der Steuerung stimmen; stehen dort falsche Werte, leidet die Bahntreue, und die Überwachungen der Steuerung rechnen mit einem Roboter, den es so nicht gibt.

Das Verfahren dazu stand die ganze Zeit in den hochgeladenen Handbüchern. Man hätte nur wissen müssen, unter welchem Stichwort man nachschlägt — und das ist derselbe Fall wie oben bei „Mastern“ und „Justage“. Genau dafür taugt das Notizbuch: nicht für die Frage, deren Antwort man schon kennt, sondern für die, bei der man nicht weiß, wo man suchen soll.

Karteikarten, Mindmap, Audio

Aus denselben Quellen lassen sich weitere Formate erzeugen: Karteikarten zum Abfragen, eine Mindmap über den Aufbau, sogar eine Audiozusammenfassung. Für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter ist das der eigentliche Gewinn — aus einem Handbuch wird Lernmaterial, ohne dass jemand es schreiben muss.

Beispiel 2: KUKA KRC4, ergänzt um Forenwissen

Der zweite Roboter ist eine KUKA mit KRC4-Steuerung. Dafür wird ein eigenes Notizbuch angelegt. Das ist kein Detail: Ein Notizbuch je Anlage hält die Quellen getrennt — sonst antwortet die KI zur KUKA mit Angaben aus dem NACHI-Handbuch, und zwar ohne Warnung.

Hier kommt eine Quelle dazu, die kein Hersteller liefert: Beiträge aus Roboterforum.de. Praxiswissen, das in keinem Handbuch steht — der Workaround, den jemand vor drei Jahren gefunden hat. Die Frage zur Wartung liefert am Ende eine Wartungsliste je Achse: was in welchem Intervall zu prüfen ist, zusammengezogen aus Dokumenten, die das so nirgends nebeneinander stehen haben.

Was Sie nicht hochladen dürfen

Hier endet die Bequemlichkeit, und zwar aus gutem Grund. Ein öffentlicher KI-Dienst ist ein fremder Server. Herstellerhandbücher sind unkritisch — sie sind ohnehin veröffentlicht. Interne Unterlagen sind es nicht: eigene Roboterprogramme, Zellenlayouts, Taktzeiten, Kundennamen, Stücklisten. Was dort hochgeladen wird, verlässt das Unternehmen.

Für genau diesen Fall gibt es lokale KI: dasselbe Verfahren, aber auf einem Rechner im eigenen Netz. Kein Dokument geht nach draußen. Der Aufwand beim Einrichten ist höher — und es ist der einzige Weg, auf dem auch die schutzwürdigen Unterlagen mitspielen dürfen.

Wo das Verfahren an seine Grenzen kommt

  • Schlechte Scans bleiben schlecht. Ein abfotografiertes Handbuch von 1998 ist für die Maschine so schwer lesbar wie für Sie.
  • Die Antwort ersetzt die Verantwortung nicht. Bei sicherheitsrelevanten Arbeiten gilt die Quelle, nicht die Zusammenfassung. Deshalb der Rücksprung ins Handbuch.
  • Was nicht hochgeladen wurde, existiert nicht. Fehlt das Wartungshandbuch, wird die Wartungsfrage dünn beantwortet — und das fällt nicht sofort auf.

Häufige Fragen

Funktioniert das auch mit ABB oder Mitsubishi?

Ja. Das Verfahren hängt nicht am Hersteller, sondern an den Dokumenten. Was als PDF vorliegt, lässt sich befragen — RAPID-Handbücher genauso wie KRL- oder MELFA-Unterlagen.

Kann ich der Antwort trauen?

So weit, wie Sie sie nachschlagen können. Ein Notizbuch, das nur Ihre Quellen kennt, erfindet deutlich weniger als ein allgemeiner Chatbot — ausgeschlossen ist es nicht. Bei allem, was Sicherheit, Freigaben oder Gewährleistung berührt, gilt die Stelle im Handbuch.

Was kostet das?

Das im Video gezeigte Notizbuch ist in der Grundfunktion kostenfrei. Der Aufwand steckt nicht im Werkzeug, sondern im Zusammensuchen der Dokumente — und der fällt genau einmal an.

Wenn Sie es an Ihrer Anlage aufbauen wollen

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